Pakt für gute Bildung und Betreuung: Die Kirchen und ihre Trägerverbände begrüßen zusätzliche Ressourcen, warnen aber vor einer Verschulung der Kitas

07.08.2018 | Chancen und Risiken sieht die Vier-Kirchen-Konferenz über Kindergartenfragen in den von Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann vorgestellten Plänen zu einem Pakt für gute Bildung und Betreuung. Die höhere finanzielle Beteiligung des Landes an den Betriebskosten der Einrichtungen für drei- bis sechsjährige Kinder, der Einsatz von in Aussicht stehenden Bundesmitteln für eine verbindliche Regelung und Finanzierung der Leitungszeit, Investitionen im Ausbildungssektor sowie Landesmittel für die Förderung inklusiver Kindertageseinrichtungen werden von der Konferenz ausdrücklich begrüßt. Zugleich warnt die Konferenz vor problematischen bildungspolitischen Weichenstellungen, nach denen die Kindertageseinrichtungen einseitig unter das Diktat der Schulvorbereitung von Kindern geraten könnten. „Der Pakt darf nicht einer Verschulung der Kindertageseinrichtungen und einer Abkehr von den Grundideen des Orientierungsplans Vorschub leisten“, so die Vorsitzende der Vier-Kirchen-Konferenz über Kindergartenfragen, Dr. Ursula Wollasch.  

Angesichts des immer noch wachsenden Platzbedarfs auch im Bereich der drei- bis sechsjährigen Kinder sei, so Ursula Wollasch, eine höhere Landesbeteiligung an den Betriebskosten eine wichtige Unterstützung. Nun komme es darauf an, dass sich das Land auch bei der Bundesregierung engagiert für klare Finanzierungsregelungen beim geplanten sogenannten Gute-Kita-Gesetz einsetze. Die Regelung der Leitungszeit, die aus Bundesmitteln finanziert werden soll, dürfe nicht länger auf die lange Bank geschoben werden. Sie sei ein Schlüssel für die weitere Qualitätsentwicklung. Angesichts des weiter steigenden Fachkräftebedarfs kommt aus der Sicht der Vier-KirchenKonferenz dem Ausbau von Ausbildungskapazitäten und der Bezuschussung der Träger bei der Anstellung von Fachschülerinnen und Fachschülern in der praxisintegrierten Ausbildung eine hohe Bedeutung zu. Es sei daher erfreulich, dass das Land hier den gemeinsam von Kultusministerium, kommunalen Landesverbänden und Trägerverbänden entwickelten Erfolgskurs des neuen Ausbildungsmodells PIA fortsetzen will.  

Problematisch ist aus der Sicht der Vier-Kirchen-Konferenz die Einrichtung des sogenannten Forums für frühkindliche Bildung, mit dem die Personalkapazitäten des Ministeriums erweitert und staatliche Steuerungsinteressen verfolgt würden. Die Konferenz verweist auf die bewährten subsidiären Begleitsysteme der Kindertageseinrichtungen und fordert eine rasche Klärung zur Vermeidung unnötiger Doppelstrukturen. Anstelle eines am Ministerium angesiedelten Forums braucht es vielmehr eine unabhängige Institution, die auf wissenschaftlichen Grundlagen Impulse für die qualitative Weiterentwicklung der Einrichtungen setze. Auch in Sachen Sprachförderung sind keine innovativen Ansätze erkennbar. Statt einer bloßen Aufstockung von Fördermitteln komme es aus der Sicht der Konferenz auf eine konzeptionelle Neuausrichtung und eine eindeutig alltagsintegrierte Förderung der Kinder an. Sehr kritisch wird die „ausufernde Förderlogik“ im Blick auf den Übergang vom Kindergarten zur Schule beurteilt. „Der Kindergarten hat einen eigenständigen Bildungsauftrag und ist mehr als Schulvorbereitung“, so Ursula Wollasch, die vor einer bildungspolitischen Kurzschlusshandlung warnt. Qualitätsprobleme in der Grundschule müssten zu allererst dort angegangen werden.  

Positiv wertet die Vier-Kirchen-Konferenz, dass der erforderliche erhöhte Aufwand für Träger in inklusiv arbeitenden Kindertageseinrichtungen mit höheren Zuweisungen über das Finanzausgleichsgesetz anerkannt werden soll. Der geplante sonderpädagogische Fachdienst müsse allerdings gut in das vorhandene Begleitsystem der Kindertageseinrichtungen mit Verbänden und Fachberatung integriert werden. Hier sei noch erheblicher Klärungsbedarf vorhanden. Zumal Inklusion einen umfassenderen Ansatz des Umgangs mit Vielfalt meine und nicht auf die Aufnahme von Kindern mit Behinderung eingeschränkt werden sollte. 

Eine Absage erteilt die Vier-Kirchen-Konferenz über Kindergartenfragen Forderungen nach einer Erhöhung der Gruppengröße. Statt dessen spricht sich die Konferenz für einen Bürokratie-Abbau beim Betriebserlaubnisverfahren aus, um Träger beim Ausbau von Betreuungsplätzen zu unterstützen. 


Dr. Ursula Wollasch 
Vorsitzende 2018 


In der Vier-Kirchen-Konferenz über Kindergartenfragen arbeiten zusammen: 
Evangelischer Oberkirchenrat Karlsruhe  
Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Baden e.V. 
Evangelischer Oberkirchenrat Stuttgart 
Evangelischer Landesverband – Tageseinrichtungen für Kinder in Württemberg e.V. Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg 
Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg e. V. 
Bischöfliches Ordinariat Diözese Rottenburg-Stuttgart 
Landesverband Katholischer Kindertagesstätten Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V.