Mit guter Qualität in die Zukunft

Rückblick auf den Fachtag am 10.10.2016 

Die kindergartenpolitischen Vorhaben der neuen Landesregierung, sowie Erwartungen und Forderungen der Träger und Fachkräfte waren Thema eines gut besuchten Fachtags des Verbandes am 10. Oktober 2016 im Stuttgarter Hospitalhof. Ein Schwerpunkt der Diskussion galt dem Thema Zertifizierung von Kitas. Dazu ist im Koalitionsvertrag von Grünen und CDU ein Modell-Versuch angekündigt. 


In seiner Begrüßung hob der Vorsitzende des Verbandes, Prälat Dr. Christian Rose, die jahrelange enge Zusammenarbeit zwischen Kultusministerium, kommunalen Landesverbänden, Landesjugendamt und freien Trägerverbänden bei der Weiterentwicklung der Kindergartenarbeit hervor. Der Verband setze auf die Fortführung dieser engen Zusammenarbeit in der Zukunft. Nach den Aufbrüchen und rasanten Veränderungen der letzten Jahre gehe es jetzt darum, das Erreichte zu sichern und qualitativ auszugestalten. Qualitätsmanagement sei ein geeignetes Instrument dazu. Die Sicherung des Erreichten und dessen qualitative Ausgestaltung seien auch Vorhaben der neuen Landesregierung in den Bereichen Sprachförderung, Familienzentren, Bildungshäuser und Ausbildung. Fragen stellten sich im Blick auf das angekündigte Modellvorhaben zur Zertifizierung und insbesondere beim sogenannten Kinderbildungspass, dem der Verband kritisch gegenüberstehe.  

Staatssekretär Volker Schebesta MdL stellte die kindergartenpolitischen Vorhaben des Kultusministeriums vor. Für Familienzentren und Bildungshäuser würden noch in diesem Jahr die Voraussetzungen für eine längerfristige Sicherung und Förderung geschaffen. Die praxisintegrierte Ausbildung solle breiter aufgestellt werden und die Landesregierung setze auf einen guten Personalmix aus Erzieher/-innen und akademisch ausgebildeten Fachkräften. Zu den Themen Kinderbildungspass und Zertifizierung gebe es im Ministerium noch keine Festlegungen hinsichtlich der Umsetzung. 

In ihrem Fachvortag stellte Dr. Cornelia Becker, Referentin in der Landesgeschäftsstelle das Gütesiegel der Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder e.V. (BETA) und das dahinterstehende Rahmenhandbuch im Vergleich zu weiteren Kita-Gütesiegeln vor. Das BETA–Gütesiegel verbinde den an der DIN-ISO orientierten Blick auf Strukturen und Führungsprozesse mit einer intensiven Bearbeitung der pädagogischen Kernprozesse. Im Herbst 2016 sind über 700 Einrichtungen deutschlandweit mit dem BETA–Gütesiegel zertifiziert, davon ca. 60 in Württemberg. Dass es sich lohnt, sich in den Prozess einer Begutachtung zu begeben, bestätigten Gerda Groschupp und Waltraut Schäfer aus dem Evang. Kindergarten auf der Charlottenhöhe in Rottweil. Die Einrichtung wurde 2014 mit dem BETA-Gütesiegel zertifiziert und sowohl die Leitung wie auch das Team, für das Frau Schäfer sprach, bescheinigten dem Gütesiegel eine positive Wirkung, die sich bis hin zur täglichen Arbeit auswirkt. So habe das Team nun beispielsweise mehr Zeit für die Kinder in der Gruppe, sei zusammengewachsen und habe Aufgaben klarer verteilt. 

In einem Rundgespräch wurden Erwartungen und Forderungen der Träger, Fachkräfte und Verbände an das Ministerium diskutiert. Dabei bestand Einigkeit darüber, dass nach jahrelangen Diskussionen eine Regelung der Leitungszeit und deren Refinanzierung dringend auf der Tagesordnung stehe, was von Trägern und Fachkräften deutlich unterstrichen wurde. Staatssekretär Schebesta und die neue Leiterin des Referats Grundschule und Frühkindliche Bildung und Erziehung, Frau Petilliot-Becker, konnten hierzu zwar noch keine Zusagen treffen, signalisierten dazu jedoch die Gesprächsbereitschaft des Ministeriums. Auch zur Ausgestaltung des sogenannten Kinderbildungspasses und der geplanten Zertifizierung von Kitas werde das Ministerium zu Beginn des Jahres 2017 in Gespräche mit den Trägerverbänden und kommunalen Landesverbänden eintreten. 

Rolf Krieg, Gesamtkirchenpfleger in Heilbronn, hob die Signalwirkung des BETA–Gütesiegels bei einem großen kirchlichen Träger hervor. Eine Einrichtung innerhalb seiner Trägerschaft wurde kürzlich zertifiziert, weitere sollen folgen. Dabei forderte er eine deutlichere Unterstützung von Seiten des Landes für die qualitative Weiterentwicklung der Einrichtungen auch hinsichtlich der Förderung von Familienzentren. Benjamin Lachat, Dezernent des Städtetags Baden-Württemberg, unterstrich die Notwendigkeit einer Leitungszeitregelung und forderte darüber hinaus Regelungen zur inklusiven Tagesbetreuung sowie Verbesserungen beim Finanzausgleich zwischen Land und Kommunen. Die gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen könnten nicht alleine auf dem Rücken der Kommunen bewältigt werden. Roland Kaiser, Leiter des Landesjugendamts Baden-Württemberg, hob die Bedeutung der Fachberatung in der Qualitätsentwicklung hervor und plädierte wie die übrigen Gesprächsteilnehmer dafür, die für den Kinderbildungspass vorgesehenen Mittel im Sinne von Qualitätsverbesserungen einzusetzen. Hinsichtlich der Einführung eines verbindlichen Gütesiegels sehe er noch einige ungeklärte Fragen, u.a. ob ein flächendeckendes Gütesiegel tatsächlich noch ein Qualitätsmerkmal sein könne. Georg Hohl, der Geschäftsführer des Landesverbands und Vorsitzender der Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder e.V. (BETA) machte seine kritische Haltung gegenüber einem sogenannten Bundesqualitätsgesetz deutlich. Hier bestehe die Gefahr einer Nivellierung von Qualitätsniveaus, insbesondere solange Finanzierungsfragen nicht geklärt seien. Ebenso wie Staatssekretär Schebesta plädierte er dafür, dass die Bundesländer jeweils ihre eigenen Qualitätsbaustellen bearbeiten sollten. Dazu wären Bundesmittel eine wichtige Unterstützung.

Auch die Herausforderungen, die die Aufnahme von Kindern mit Fluchterfahrung und ihrer Familien mit sich bringen, wurden beim Fachtag angesprochen. Insbesondere dort, wo die vorhanden Plätze sowohl für Kleinkinder wie auch für 3-6-Jährige den Bedarf nicht abdecken, braucht es vertretbare Lösungen, über die das Ministerium in Kürze mit den Verbänden Gespräche führen wird. 

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Akteure auf Landesebene die kindergartenpolitischen Vorhaben der Landesregierung als wichtige Schritte der Weiterentwicklung bewerten. Entscheidend wird dabei sein, wie die Themen konkretisiert und umgesetzt werden. Dass hierzu das Kultusministerium die Verbände wie bisher als Gesprächspartner ins Boot holen möchte, wurde von allen Seiten gewürdigt.